„Funktionelle“ Lebensmittel
Lebensmittel mit gesundheitlichem Zusatznutzen?

Eine neue Generation von Lebensmitteln, entwickelt von Wissenschaftlern, verspricht Genuss ohne Reue.
Angesichts einer steigenden Zahl ernährungsbedingter Krankheiten wie Gicht, Herzund Kreislauferkrankungen, Bluthochdruck
u.a. sind die neuen funktionellen Lebensmittel, die jede Menge Gesundheit und Wohlbefinden versprechen, voll im Trend.
Was ist drin, was ist dran an den neuartigen Gesundheitslebensmitteln?

... das bedeutet functional food ...

In erster Linie sind es Lebensmittel, die neben Sättigung und Genuss einen gesundheitlichen Zusatznutzen versprechen.
Die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit sowie das seelische Wohlbefinden sollen durch die funktione llen Lebensmittel
günstig beeinflusst werden. Die gesundheitsfördernde Wirkung wird durch Zugabe oder Entfernung bestimmter Zutaten oder
Stoffe erreicht. Besonders beliebt sind derzeit probiotische Joghurts, Lebensmittel mit den antioxidativen Vitaminen A, C, E oder
mit sekundären Pflanzenstoffen. Functional food ist immer ein Lebensmittel, nie eine Kapsel, ein Pulver oder eine Tablette.

... das verspricht die Werbung ...

„bringt die Darmflora ins Gleichgewicht“
„ein täglicher Beitrag für ihre Gesundheit“
„für ein längeres Leben“
„regt die Stoffwechselfunktionen an“
„stärken Sie Ihre körpereigenen Abwehrkräfte“
So oder ähnlich lauten die Werbesprüche. Die Werbestrategen wollen vor allem gesundheitsbewusste Verbraucher ansprechen,
die gerne bereit sind, ein paar Mark mehr für die neuen gesunden Lebensmittel auszugeben. Dabei wird der angebliche gesundheitliche
Wert mit wohlklingenden Aussagen besonders groß herausgestellt.

... das sagt das Gesetz ...

Nach dem deutschen Lebensmittelrecht ist functional food ein ganz normales Lebensmittel.
Krankheitsbezogene Werbung auf Lebensmitteln ist nach § 18 des Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetzes
verboten, durch § 17 verbietet der Gesetzgeber zudem „unwahre“ Aussagen auf Lebensmitteln. Dies ist auch der
Grund für die stets nur vagen Aussagen auf den Produkten, die sich alle stark ähneln. Leider gibt es sowohl in Deutschland als
auch in der Europäischen Union bislang keine besonderen gesetzlichen Regelungen für funktionelle Lebensmittel.

... das ist wirklich dran ...

Vielfach werden bestimmte Wirkungen, wie der Schutz vor Krebs,
die Stärkung des Immunsystems oder der Schutz vor Herz- Kreislauferkrankungen, nur vermutet. Oft
fehlen jedoch wissenschaftlich eindeutige Belege, dass die funktionellen Lebensmittel das Erkrankungsrisiko senken und den Gesundheitszustand
verbessern. Deshalb: Lassen Sie sich nicht blenden! Die Werbung hat nicht das Ziel, sie zu informieren, sondern
sie will das Produkt nur verkaufen.

... das fordern wir ...

- Wer functional food kauft, muss sich darauf verlassen können, dass die versprochene Wirkung auch wissenschaftlich nachweisbar ist.
- Eindeutige rechtliche Regelungen für Werbeaussagen.
- Die Wirkungen funktioneller Lebensmittel müssen gesundheitlich unbedenklich sein.
- Vergleichsuntersuchungen von herkömmlichen Produkten und funktionellen Lebensmitteln sollen den Unterschied deutlich machen.
- Keine falschen Versprechungen!

... das raten wir den Verbrauchern ...

- Achten Sie beim Einkaufen auch auf die Inhaltsstoffe.
- Vergleichen Sie die Preise: Oft sind die „neuen“ Produkte teurer, als die „normalen“ mit entsprechender Wirkung.
- Viele funktionelle Lebensmittel müssten täglich verzehrt werden, da sie sonst keine Wirkung zeigen würden, dies gilt z.B. für probiotische Joghurts.
- Essen Sie reichlich Obst und Gemüse!
- Wenn wenig Milchprodukte verzehrt werden, ist ein mit Calcium angereichertes Mischgetränk eventuell durchaus sinnvoll.
- Funktionelle Lebensmittel sind keine Heilmittel und ersetzen in Krankheitsfällen nicht den Besuch beim Arzt.

... das wird Lebensmitteln zugesetzt ...

Antioxidantien: Vitamine A, C, E, dadurch Neutralisierung der „freien Radikale“; ihnen wird eine Prävention von Krebs, Herzerkrankungen
und Alterungsprozessen zugeschrieben. Vorkommen: Tiefkühlgemüse, Getränke
Mehrfach ungesättigte essentielle Fettsäuren: Sie sollen vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen und sind entzündungshemmend.
Vorkommen: Getränke, Brot und Backwaren, Eier
Phytosterine: Vorbeugung von Herz- und Kreislauferkrankungen. Vorkommen: Margarine
Präbiotika: Ballaststoffe aus speziellen Pflanzenfasern, Verbesserung der Darmflora. Vermutet wird außerdem eine Stärkung des Immunsystems,
eine Senkung des Cholesterinspiegels und eine verbesserte Mineralstoffaufnahme. Vorkommen: Milchprodukte, Margarine und Getränke
Probiotika: Züchtungen von Joghurt- oder Milchsäurekulturen, diese Mikroorganismen siedeln sich im Darm an, Vermeidung von Durchfällen.
Vorkommen: Milchprodukte, Getränke, Margarine
Sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe: Je nach Stoff wirken sie unterschiedlich, teilweise auch als Antioxidantien. Vorkommen: Getränke, Tiefkühlkost
Synbiotika: Sowohl präbiotische als auch probiotische Zusätze sind enthalten. Vorkommen: Fruchtgetränke und Müslis